Der Energie-Thread

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Brett
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Beitrag von Brett » Do Sep 20, 2012 8:50 pm

masta_stefant hat geschrieben:Jup, der ORF hat auch damit zu kämpfen ..
http://help.orf.at/stories/1705141/

Ziemlicher Äpfel-mit-Kürbis-Vergleich ..
Da gehts wohl um die Geschichte mit dem NIALM-Algorithmus, wo es in Deutschland (wo ja alles anders ist bei uns, weil es einen eigenen Messstellenbetreiber gibt ...) irgendwann heuer im Frühjahr eine Veröffentlichung gab, wo sich einer ein System angeschaut hat, bei dem eben ein Dritter über die Lastprofildaten Energieberatungsleistungen verkauft.
Sinn von dem NIALM (= non-intrusive application load monitoring, wenn ich mich richtig erinnere) ist ja eigentlich, aus dem Summensignal im Haushalt durch FFT- und andere Rechnereien Signalzerlegungen mit in einer Datenbank abgelegten Footprints zu matchen und so zu identifizieren. Das heißt, es gibt nur ein gemessenes Signal und damit die Möglichkeit, dem Bewohner zu sagen, wann was eingeschalten war und welchen Verbrauch verursacht hat.

Ist nett, hat aber eigentlich hierzulande nix mit Smart Metering selbst zu tun (bei den Deutschen eher, da ist der Markt aber wie gesagt ganz anders organisiert - bei uns kaufen die Netzbetreiber die Zähler selbst ein ...).
Es ist aus meiner Sicht auch unwahrscheinlich, dass sowas mit einem Smart Meter verpackt daherkommt. Eher in einem eigenen Kastl, das selbst nochmal misst ...
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Brett
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Beitrag von Brett » Do Sep 20, 2012 9:12 pm

orf hat geschrieben:bekommt im Gegenzug elektronische Energie.
Was der Fick?
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florianklachl
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Beitrag von florianklachl » Do Sep 20, 2012 9:24 pm

Brett hat geschrieben:Problem: Es ist lt. der Studie aus Wasser/Wind/PV sogar ein Potential von 91 TWh pro Jahr schöpfbar, das einem Verbrauch von 69 TWh gegenübersteht. Allerdings kommt diese Energie ja nicht gleichmäßig daher sondern der Wind witterungsabhängig und die Sonne tageszeitabhängig.
Die 69 TWh sind aber nur der Stromverbrauch, der Gesamtenergieverbrauch in Oesterreich ist ~6x groeszer, dh. Oesterreich wird wohl nur den CO2 Ausstosz auf ~0 bringen, wenn ua. auf Elektroautos umgestellt wird und der zusaetzliche Strom von den AKWs im Osten importiert wird, die nach und nach ausgebaut werden, oder, noch unwahrscheinlicher, er wird in der Sahara gewonnen.
http://www.proreligion.at/

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Brett
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Beitrag von Brett » Do Sep 20, 2012 9:33 pm

florianklachl hat geschrieben:Die 69 TWh sind aber nur der Stromverbrauch
Richtig, die sind in der Studie nur der Strombedarfsfrage nachgegangen - hab ich auch so geschrieben.
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mastastefant
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Beitrag von mastastefant » Mo Dez 24, 2012 2:00 am

Polen und Tschechien bauen jetzt Ökostromfilter in ihre Netze ein, damit die ungeregelten deutschen Windkraftwerke nicht ihnen das Stromnetz runterfährt:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 01853.html
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Brett
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Beitrag von Brett » Di Mär 12, 2013 10:52 am

Sehr cool, ein Windgenerator, der einfach mit dem Flattern eines in der Strömung stehenden Plastikstreifens und der damit verbundenen Längenänderung Energie wandelt:

http://www.youtube.com/watch?v=hwZ0q8lgXMs
http://www.youtube.com/watch?v=mecU7S2xoJc
http://www.humdingerwind.com/#/wi_overview/
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Beitrag von florianklachl » Di Apr 16, 2013 1:09 am

der Science-Buster Heinz 0berhummer zu den groeszten Energiemythen hierzulande (siehe angehaengte Praesentation, von folgender Seite entnommen:
http://www.ak-energie.at/media.shtml )
0berhummer hat geschrieben: *) Die Parole raus aus fossilen Energieträgern und der Atomenergie ist zu wenig, wenn man das künftige System der Energieversorgung nur ganz allgemein formulieren kann
*) Deutschland und Österreich befindet sich in dieser Hinsicht in einer kollektiven, naiven und romantisierenden Märchenstunde, die mit der Realität nur mehr wenig zu tun hat
*) Dieser Mythenrausch wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ebenso wie manche frühere Energiemythen von der Wirklichkeit überholt und überrollt werden
Energietag6_Oberhummer.pdf
(1.9 MiB) 7-mal heruntergeladen
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Beitrag von sAik0 » Di Apr 16, 2013 10:33 am

Die Kritik ist nicht gänzlich unberechtigt – Es ist nicht alles eitel Wonne.
Ein gute Mix wirds machen müssen –*inklusive einer deutlichen Senkung des Energieverbrauchs.

Was allerdings bei der Kritik an der Windkraft meistens einseitig ausgeblendet wird:
1. Investitionen in Kernenergie (und fossile) wurden nicht nur hoch gefördert, sondern zT. gleich vom Staat bezahlt (100% vor der Liberalisierung)
2. Die Folgekosten der Kernenergie werden so gut wie nie erwähnt
(auch bei geringerer proklamierter relativer Mortalität sind die Kosten bei Unfällen enorm,
Lagerung und Transport von radioaktiven Abfällen ist einfach sauteuer und letzten Endes ein ungelöstes Problem)
2. Markt- und Preisentwicklungen fossiler Brennstoffe werden gerne vergessen –*Wind und Sonne kostet nix und ist ausreichend ewig vorhanden. Wasser ist halt knapp.
3. CO2-Einsparungen werden gerne auf die Anlagen und deren Herstellung reduziert –*die Stromerzeugung an sich wird vergessen wenn es opportun ist

Wir leben sicher nicht im Träumeland. Ich erlebe nahezu täglich aktiv und passiv Diskussionen über
Lastenausgleich, Netzstabilität, Netzausbau, Erzeugungskosten, Förderungen, Erzeugungsmix, etc.
Sogar die Politik (!) ist manchmal versucht diese Themen auch inhaltlich zu hinterfragen.

Die Interessensvertretungen (PV, Wind, Biomasse, etc.) stellen laufend Überlegungen zur Optimierung des Förderregimes
an, weil eine Überförderung auch von Kraftwerksbetreibern nicht erwünscht ist. (Es kommt zur Verknappung von Fördermitteln
und abrupten Kürzungen durch die Politik)

Die aktuelle Polemik zu den Fördertarifen in Österreich, die von Deutschland herüberschwappt ist noch besser.
Während die Deutschen jammern, dass die EEG-Umlage teurer wird, wird bei uns gleich mit gejammert.
Dabei vergessen unserer Zeitungen leider immer darauf, dass das jährliche Unterstützungsvolumen in Österreich i. gedeckelt ist und ii. das Delta zwischen Fördertarif und aktuellem Marktpreis das Fördervolumen beeinflusst.

Somit verringert sich das Fördervolumen mit wachsendem Ausbau der Erneuerbaren von selbst, denn mit dem Ausbau
von PV und Wind gibt es tendenziell ein viel höheres Angebot an Strom (v.a. auch zu den Spitzenverbrauchszeiten), was die Marktpreise mehr als halbiert hat.

Der immer mehr zum Grundpreis konvergierende Spitzenpreis zerstört allerdings als Nebeneffekt das Geschäftsmodell von Pumpspeichern. Zumindest, bis der Lastenausgleich mit Fossilen und Kernenergie zu teuer wird, also dann, wann neue Kraftwerke errichtet werden müssen die nicht mehr zu 100% vom Steuerzahler bezahlt werden, wie das früher halt so üblich war und die Rentabilität noch eine andere bzw. eher nebensächlich war.

Als nächstes müssten wir also Gaskraftwerke fördern. Die brauchen wir für den Lastenausgleich – sind aber nicht mehr finanzierbar, weil sie nur mehr mit wesentlich weniger Volllaststunden betrieben werden –*dafür steigt der Gaspreis aber ständig und die Lieferkontrakte sind traditionell preislich an Indikatoren des Ölmarktes gebunden, wo die Preise noch rasanter gestiegen sind und steigen werden.

Hoffentlich kommen wir dann endlich drauf, dass SÄMTLICHE Kraftwerkstypen eigentlich in einem sinnvollen Mix in derzeitiger Form unrentabel sind und eine staatliche Förderung schon immer notwendig war und in Zukunft auch notwendig sein wird.
Vielleicht teilen wir die Rechnung dann nicht auf die Steuerzahler auf, sondern verrechnen das ganze verursachungsgerecht an die Stromverbraucher und der Strompreis steigt endlich.
Steigt endlich der Strompreis, sind wir vermutlich auch als Bürger endlich bereit Strom einzusparen, womit sich der Kreis dann schließt.

Dauert alles aber vermutlich noch 30 Jahre.

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mastastefant
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Beitrag von mastastefant » Di Apr 16, 2013 4:38 pm

Nunja, das mit den Kosten an den Verbraucher abgeben ist so eine Sache .. Wenn damit nur die tatsächlichen Strom-Erzeugungskosten gemeint sind, ist das schon ok, aber dann brauchen natürlich auch Betriebe wie Spitäler, Unis, .. mehr Geld für die Stromrechnung, und das ist immer ein Potential dass da hintenrum eingespart wird. Die Kosten für das Bereitstellen und Warten der Infrastrukur hingegen ist find ich ein anderes Thema, und ich trau mich wetten auch ein ziemlich großer Brocken bei den Kosten. Infrastruktur zu Privatisieren ist eigentlich fast immer eine schlechte Idee, da es sich praktisch nie auszahlt, irgendeine Hütte außerhalb einer großen Stadt anzubinden, ob das jetzt Strom, Wasser oder Internet ist, und dann immer sofort bei der Wartung gespart wird, was sich üblicherweise immer erst nach dem Pensionsantritt der Verantwortlichen so richtig auswirkt ..

Ich hab mir auch letztlich sagen lassen, Was immer man mit Kernkraftwerken in der Umweltbilanz einspart wird durch die CO2 Emissionen die man beim Uran-Abbau hat gleich wieder mehr als wettgemacht, weil man da so tief im Berg rumpopeln muss um das Zeug rauszuholen.

Ist aber letztlich alles wurscht, weil im Vergleich dazu was diese Öltransporter-Schiffe rausblasen, da fällt das was bei den Autos hinten rauskommt auch nicht mehr ins Gewicht.

Was allerdings schon richtig ist, es gibt in der Tat haufenweise Energieverschwendung, die man ruhig mal einstellen könnte. Schon mal was von Bitcoins gehört? (das ist ein Versuch einer virtuellen, anonymen Währung, die auf mathematisch extrem schwer zu berechnenden Hashes basiert. Die Idee ist, je mehr Energie man reinbuttert, desto mehr virtuelles Geld bekommt man, man zahlt also quasi mit der Stromrechnung dafür .. Und wie immer bei schlechten, hingehackten Ideen sind da extrem viele Leute drauf aufgesprungen, und es gibt derzeit einen richtigen Bitcoins-Hype, die Währung wird gehandelt und steigt gerade exponentiell im Preis, was natürlich jetzt noch mehr Spekulanten anzieht; das führt dazu, dass sich die Leute überlegen, wie sie andere Rechner dazu bringen können, für sie Bitcoints zu berechnen, z.B. als Javascript auf Webseiten oder in Computerspielen, Trojanern, ... ; d.h. der eigene Rechner verheizt Strom, damit wer anderer virtuelle Bitcoins bekommt)

Da hat jetzt einer mal ausgerechnet, was da für diese absolut schwachsinnige Idee mittlerweile für Strom draufgeht:

1GWh / Tag (!!)

Das ist halb so viel wie der LHC am Cern braucht.
http://www.bloomberg.com/news/2013-04-1 ... aster.html

Wär auch mal interessant, wenn sich jemand ausrechnen würd, wieviel dieser ganzen Javascript-Flash-Werbe-Müll bzw dieser Wahn, mittlerweile alle Programme in furchtbar ineffizienten Scriptsprachen zu schreiben sinnlos an Strom verbrät .. damit kommt man sicher nochmal auf ne Großstadt Einsparungspotential.
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florianklachl
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Beitrag von florianklachl » So Okt 05, 2014 12:41 am

Wer sehen will, wieviel Prozent des gerade eben in Deutschland und Oesterreich erzeugten Stroms aus Erneuerbaren kommt:
http://www.transparency.eex.com/de/

So wie es aussieht, ist der Weg der Energiewende wohl noch weit, andererseits ist die Solarstromproduktion in Bayern und die Windkraftleistung in Norddeutschland schon ganz beachtlich, vorausgesetzt natuerlich, es stuermt und scheint.

Wenn man aber bedenkt, dass der Gesamtenergieverbrauch noch einmal ~5x groeszer ist, und der Anteil an fossilen Energietraegern da auch noch mehr ausmacht, wird am Ausbau der Atomenergienutzung wohl kein Weg vorbeifuehren. Ich bin jedenfalls schon gespannt auf die ersten Thoriumreaktoren in China! :banana:
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